Der RWA erarbeitet die „Empfehlungen für Planung, Bau und Instandhaltung von Abdichtungssystemen für Gewässer im Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau“. Kaum ein anderes Gewerk des Landschaftsbaus bietet hinsichtlich der Werkstoffauswahl und Bauweisen eine solche Fülle an Planungs- und Ausführungsalternativen wie der Wasseranlagenbau. Aus diesem Grund hat die Forschungsgesellschaft für Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) e.V. bereits 1998 einen Arbeitskreis Gewässerabdichtungen ins Leben gerufen, an dem Vertreter der Planungs- und Ausführungspraxis, aus Industrie und Wissenschaft sowie von Verbänden und Vereinen über Jahre ausdauernd an der vielschichtigen Materie gearbeitet haben. Die nun vorliegenden Empfehlungen geben dem Anwender einen Überblick über technische Möglichkeiten zur Abdichtung von Gewässern mit gängigen Werkstoffen und Bauweisen im Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau. Sachverständige, Planer und Ausführende erhalten eine umfassende Darstellung werkstoffspezifischer Anforderungen zur Abdichtung von Gewässern mit notwendigen Prüfkriterien für eine Qualitätskontrolle im Labor als auch auf der Baustelle. Darüber hinaus werden wertvolle Hinweise zur werkstoffgerechten Ausführung und zum Unterhalt von Gewässerabdichtungen gegeben, die auch als Entscheidungshilfe für eine nutzungsgerechte Planung dienen sollen.
Um vegetationsbedingte Schäden an Gewässerabdichtungen auszuschließen, wurde vom RWA Ende 2008 ein "Verfahren zur Bestimmung der Rhizomfestigkeit von Gewässerabdichtungen” ausgearbeitet, das auf die Beanspruchung der Abdichtungen durch Rhizome ausgerichtet ist. Das Verfahren beruht im Wesentlichen auf Erkenntnissen von Untersuchungen mit unterschiedlichen Abdichtungen und verschiedenen Pflanzenarten, die an der Forschungsanstalt für Gartenbau, FH Weihenstephan, durchgeführt wurden. Das Verfahren wurde soweit als möglich an das allgemein anerkannte „Verfahren zur Untersuchung der Wurzelfestigkeit von Bahnen und Beschichtungen für Dachbegrünungen“ (FLL, 2008) angelehnt. Insbesondere wurden dort beabsichtigte strengere Maßstäbe bei dem hier beschriebenen Verfahren berücksichtigt und den spezifischen Gegebenheiten der Gewässerabdichtungen angepasst. Basierend auf den oben erwähnten Untersuchungen wurde Phragmites australis (Schilf) als für das Verfahren geeignete rhizombildende Testpflanzenart gewählt. Im Vergleich zu Rhizomen anderer Pflanzen [z.B. Agropyron repens (Quecke) Cyperus longus (Zyperngras), Zizania caduciflora (Kanadischer Reis), Schoenoplectus (Scirpus) lacustris (Binse)] erweisen sich Schilf-Rhizome als wesentlich aggressiver. Dies gilt auch im Vergleich zu Wurzeln von Gehölzen und anderer Pflanzen. Bei erfolgreichem Durchlaufen der Prüfung kann auch auf die Wurzelfestigkeit der geprüften Produkte für Gewässerabdichtungen geschlossen werden. Mit Schilf als Testpflanze werden sehr hohe Anforderungen an die Widerstandsfähigkeit von Gewässerabdichtungen gestellt. Wenn dauerhaft eine deutlich geringere Beanspruchung der Gewässerabdichtung (keine Einwirkung von Pflanzen mit starkem Rhizomwachstum, wie z.B. Schilf) gegeben ist, können auch Abdichtungen verwendet werden, die nach dem „Verfahren zur Untersuchung der Wurzelfestigkeit von Bahnen und Beschichtungen für Dachbegrünungen“ (FLL, 2008) geprüft wurden. Die geprüfte Abdichtung muss sich dabei als wurzelfest und rhizomfest gegen Quecke erwiesen haben. Dies wird als Mindestanforderung bzgl. der biomechanischen Festigkeit von Gewässerabdichtungen angesehen.
Jürgen Eppel
Christian Schulze-Ardey
Colmantstr. 32, D-53115 Bonn
Tel: | (+49) 0228 - 965010 - 0 |
|---|---|
Fax: | (+49) 0228 - 965010 - 20 |
E-Mail: |
Geschäftszeiten:
Mo.-Fr.: 8:30 - 17:00